Effektivität und Weiterentwicklung von Risikominderungsmaßnahmen. Für die Anwendung von als Biozid ausgebrachten antikoagulanten Rodentiziden mit hohem Umweltrisiko.

Effektivität und Weiterentwicklung von Risikominderungsmaßnahmen.

Zur Regulierung von Schadnagerpopulationen werden im Biozidbereich in Deutschland in den meisten Fällen Fraßköder mit blutgerinnungshemmenden (antikoagulanten) Wirkstoffen eingesetzt. Antikoagulante Rodentizide wirken bei allen warmblütigen Tieren, also auch bei Organismen, die nicht bekämpft werden sollen oder dürfen. Zudem sind die meisten dieser Wirkstoffe persistent, bioakkumulierend und toxisch. Um Nichtzielorganismen zu schützen und Einträge in die Umwelt zu minimieren, wurden bei der Biozid-Zulassung von antikoagulanten Rodentiziden verbindliche Risikominderungsmaßnahmen festgeschrieben. Die Effektivität dieser Maßnahmen ist jedoch kaum empirisch untersucht, so dass Wissensdefizite auch im Hinblick auf eine mögliche Optimierung bzw. Weiterentwicklung von Risikominderungsmaßnahmen bestehen.

Im Rahmen dieses Forschungs- und Entwicklungsvorhabens wurden daher drei zentrale Aspekte mit Bezug auf den Schutz von Nichtzielorganismen näher betrachtet. Im ersten Teil wurde untersucht, wie sich die Ausbringung antikoagulanter Rodentizide in Köderstationen ausschließlich innerhalb von Gebäuden im Vergleich zum Einsatz in und um Gebäude auf das Auftreten blutgerinnungshemmender Wirkstoffe in freilebenden Nichtzielkleinsäugern auswirkt. Weiterhin wurden die Bewegungsmuster und Sterbeorte vergifteter Wanderratten auf Bauernhöfen dokumentiert, um daraus Rückschlüsse auf die mögliche Exposition von Beutegreifern ziehen zu können. Im zweiten Teil wurden Rückstände antikoagulanter Rodentizide in Rotfüchsen aus ländlichen und urbanen Räumen untersucht, um mögliche Unterschiede in der Exposition zu identifizieren. Außerdem wurde das Auftreten blutgerinnungshemmender Wirkstoffe in verschiedenen Singvögeln während Rattenbekämpfungen auf landwirtschaftlichen Betrieben analysiert. Im dritten Teil wurde versucht, die Ausbringung von Fraßködern in Köderstationen so zu gestalten, dass Nichtzielorganismen von der Köderannahme ausgeschlossen werden.

Effectiveness and optimization of risk mitigation.

In Germany, in most cases anticoagulant rodenticides are used to control commensal pest rodents in the biocide sector. These agents are effective not only in target species but also in other vertebrate taxa. Moreover, most anticoagulants are persistent, bioaccumulative and toxic. In order to mitigate risk and to minimise release into the environment, mandatory risk mitigation measures were stipulated within the biocidal products authorisation. However, their efficiency has not yet been empirically tested and information for advancing risk mitigation measures is missing.
In this research and development project, we focused on three aspects of risk mitigation measures with regard to the protection of non-target species. Firstly, we investigated whether applying anticoagulant rodenticides in bait stations exclusively inside buildings has an effect on
the occurrence and concentration of anticoagulant residues in non-target small mammals compared to their application in and around buildings. Additionally, we observed spatio-temporal patterns of poisoned Norway rats on farms and we documented the locations where poisoned
individuals succumbed to rodenticides. Secondly, anticoagulant residues in red foxes from rural and urban regions were analysed to identify possible differences in exposure. Furthermore, the occurrence of anticoagulant residues in different songbird species during rat control on farms
was investigated. Thirdly, we developed and tested a new bait station design that aimed to exclude non-target small mammals from bait consumption.

TEXTE 159/2020
Ressortforschungsplan des Bundesministerium für
Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit